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Berichte



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01.03.12 by keunemann

Und plötzlich ging alles ganz schnell...

Und plötzlich geht alles ganz schnell

Schweren Herzens mussten wir die kleine Hanna gehen lassen.

Heute Vormittag sind der Heimleiter und seine Tochter mit einem Freund aus Frankfurt gekommen und haben Hanna Miroshnyk nach 1 ½ Jahren in Bremerhaven abgeholt.
Am Dienstag fliegt sie wieder zurück in die Ukraine.

Wir sind stolz aber auch dankbar, dass es den Ärzten des Klinikums%4 Reinkenheide durch die vielen Operationen gelungen ist, aus einem schüchternem Kind ein selbstbewusstes Mädchen zu machen. Wenn es manchmal auch nicht einfach war, hatten wir doch eine tolle Zeit mit Hanna, die wir nicht vergessen werden. Sie wird ihren Weg gehen und wir werden sie nicht aus den Augen verlieren.

Auf diesem Wege möchten wir uns bei dem Klinikum Reinkenheide, dem Ambulanten Zentrum im Fischereihafen, der Alt Wulsdorfer Schule, der Alten Apotheke, der Feuerwehr Bremerhaven, dem Bürgerpark Krankenhaus und dem St. Joseph Hospital bedanken.

Einen ganz besonderen Dank möchten wir den Gasteltern Frau Olga Died und der%4 Familie Bechthold aussprechen, die es durch ihre Liebe und Fürsorge ermöglicht haben, dass Hanna sich in Bremerhaven so wohl gefühlt hat.


Gezeichnet
Marina Kargoscha



Geändert von keunemann am 03.03.12



01.03.12 by keunemann

Hilfe für Hanna Miroshnyk

Die kleine Hanna, die bei einem Wohnungsbrand 2008 in der Stadt Kirowograd / Ukraine ihre Familie verloren hat, kann endlich wieder lachen. Ihre schweren Verbrennungen, die sie sich bei dem Brand zugezogen hat gehören fast der Vergangenheit an.

Im Sept. 2009 reiste eine Gruppe mit Lisa Kargoscha vom Förderverein HIOB e.V.%4 und Vertretern des Klinikums Reinkenheide sowie Vertretern des Magistrat´s der Stadt Bremerhaven nach Kirowograd. Dort wurden sie auf Hanna, die in einem Kinderheim lebte, aufmerksam gemacht und entschlossen sich zur sofortigen Hilfe.

Nachdem die Formulitäten erledigt waren wurde Hanna bereits 5 Monate später von Dr. med. Klaus Reichstein im Klinikum Reinkenheide untersucht. Es wurde eine liebevolle Familie gefunden und eine Finanzierung für die vielen Operationen aufgestellt. Alles hat wunderbar geklappt.

Jetzt konnte der Operations-Marathon für Hanna beginnen. In über 10 Operationen entfernte Dr. med. Reichstein und sein Team Narben aus den Händen – es wurden Gelenke gerichtet. „ Ihre Finger standen 135 Grad nach hinten, eine Bewegung war unmöglich“, so berichtete Dr. med. Klaus Reichstein.

Es waren nicht nur Brandwunden an den Händen, sondern auch an den Armen und im Gesicht. Dafür mussten zahlreiche Hautverpflanzungen und Operationen gemacht werden. Heute hat Hanna keine Schmerzen mehr. Sie kann ihre Hände und Finger wieder bewegen und freut ich auf die neue Schule, die sie nach den Osterferien besuchen wird.

Dank Dr. med. Klaus Reichstein und seinem Team, der Pflegemutter, Frau Ludmila Bechtold als auch Frau Marina Kargoscha, die Hanna während ihres Bremerhaven Aufenthalts betreut hat, ist aus Hanna ein selbstbewusstes, fröhliches Mädchen geworden, die sich nicht mehr zu verstecken braucht und endlich wieder lachen kann.

Im Sept. 2011 wird Hanna Bremerhaven wieder verlassen und zurück nach Kirowograd / Ukraine fahren. Es wird kein leichter Abschied werden.

Im Namen des Vorstandes und der Mitglieder vom Förderverein HIOB e.V. möchte ich mich auf diesem Wege für ihre Hilfe, die sie geleistet haben bei der Stadt Bremerhaven, bei Herrn Dr. med. Klaus Reichstein und seiner Station, bei der Gastmutter Ludmila Bechtold und bei Frau Marina Kargoscha bedanken.


Lars Keunemann
1.Vorsitzender



Geändert von keunemann am 04.03.12



01.03.12 by keunemann

Reisebericht Weihnachten 2011

Bescherung in Kirowograd

Vom 04.01. bis zum 11.01.2011 fuhren Margret Marquardt, Brigitte Hillmann. Petra Burschke und ich nach Kirowograd (Ukraine) um die Verteilung der Weihnachtspäckchen vorzunehmen.

Da wir uns auch mit den Kindern, die wir in den letzten Jahren zu Gast hatten und die jetzt zum Teil bei Pflegeeltern im Raum Kirowograd leben, treffen wollten, hatte die Reise auch privaten Charakter.

Der Flug ging reibungslos von Lübeck nach Kiew. Dort wurden wir von Dr. Tkatsch und seinem Fahrer mit dem Krankenwagen abgeholt. Einquartiert haben wir uns im Hotel Europa in Kirowograd.

Am 2. Tag besuchten wir das Kinderheim Barwinok. Wir wurden herzlich empfangen. Die Heimleiterin hatte ein Mittagessen für uns zubereiten lassen. Anschließend haben wir den Spielplatz besichtigt, den HIOB e.V. zusammen mit den Jugendlichen der Werkstattschule Bremerhaven, der AWO und der Freien Christengemeinde im vergangenen Sommer dorthin geliefert und aufgebaut hat. Die Heimleitung erzählte uns, dass die Kinder den Spielplatz gut angenommen haben und dort sehr gerne spielen und herumtoben. Für den nächsten Tag verabredeten wir die Verteilung der Pakete an die Kinder.

Die Übergabe der Pakete an die Kinder war beeindruckend. Diese leuchtenden Augen, die Freude und die Dankbarkeit für diese kleinen Geschenke werden bei uns noch lange nachwirken. Nachdem wir das Kinderheim Barwinok versorgt hatten, konnten wir noch Pakete in das Kinderheim Kremenschuck bringen. Auch hier war die Freude riesengroß.

Eine besondere Freude konnten wir dem Auffanglager Nadija machen. Neben den Weihnachtspäckchen kauften wir von den Spendengeldern, die wir
mitgenommen hatten vor Ort, Obst. Lebensmittel, Schulartikel und Pflegemittel für das Kinderheim. Die Freude und Dankbarkeit war groß.

Die Pakete, die wir nicht selbst verteilen konnten brachten Mitglieder der Freien Christengemeinde in weitere Heime und zu bedürftigen kinderreichen Familien.
Für uns war es eine ergreifende und beeindruckende Reise die wir noch lange in Erinnerung behalten werden.

Für unser Vorhaben im Sommer 2011 wieder ca. 40 Heimkinder zur Erholung nach Bremerhaven zu holen, benötigt der Verein dringende Spenden und Gasteltern.




Hilke Klaschik
Schriftführerin



Geändert von keunemann am 03.03.12



01.03.12 by keunemann

Ein Spielplatz für die Kinder von Barvinok

Ende 2009 sprach Lisa Kargoscha den Gedanken das erste Mal aus:
Die 100 Waisenkinder im Kinderheim Barvinok/ Kirovograd in der Ukraine brauchen einen Spielplatz.
Außer einer Wiese und einem verrosteten Klettergerüst gab es nichts, was den verschiedenen Altersgruppen gerecht wurde.
Schnell fand sich eine Arbeitsgruppe zur Planung: das Gartenbauamt, das Förderwerk Bremerhaven, die Werkstattschule und Herr Stadtrat Dr. Paulenz trafen sich mit Frau Lisa Kargoscha und entwickelten die Idee, ausgemusterte Spielgeräten aufzuarbeiten und sie mit Schülern der Werkstattschule in Kirovograd aufzubauen.%4
Nach einem halben Jahr war es so weit:
Spieltürme, Drehkarussels, Wippen und Rutschen wurde nach der TÜV – Abnahme auf die Reise geschickt. 8 Schüler/innen, begleitet von Birgit Elias und Gerd Liersch aus dem Team der Werkstattschule, flogen von Düsseldorf aus hinterher.
Die folgenden 14 Tage waren ein großes Abenteuer! Für viele der Jugendlichen war es der erste Flug, der erste Besuch im Ausland. Begleitet von Marina Kargoscha erwarteten uns nach 4 Stunden Busfahrt alle Kinder von Barvinok: Luftballons, Girlanden, Tanzeinlagen und ein sehr herzliches Empfangskomitee!
Überraschung: die Enge des Kinderheims bedingte, dass wir alle einen Schlafraum teilten. Auch die Ausstattung (Sanitäranlagen, Möbel…) und das Essen waren weit entfernt von dem, was unsere Jugendlichen (und wir) kannten. Nur die guten Vorsätze, den Kindern einen Spielplatz zu bauen, unterdrückten die Fluchtreflexe.
Auch ohne die noch auf dem Transportweg befindlichen Geräte und fehlendem Werkzeug war schon am nächsten Morgen (typisch deutsch!) Arbeitsbeginn. Genauso schnell fand die Kontaktaufnahme zwischen den Waisenkindern und unseren Jugendlichen statt und alles wurde entspannter.
Unsere Gastgeber hatten ein Besuchsprogramm ausgearbeitet, das uns auf Grund seines Umfangs Sorgen bereitete. Die folgenden 14 Tage waren dadurch bestimmt, einen Ausgleich zu treffen zwischen Arbeitsauftrag und Gastfreundschaft plus Freizeitinteresse der Jugendlichen.
Den Wechsel zwischen arbeiten, besichtigen und mit den Heimkindern zu spielen haben unsere Schüler genossen. Gleich am zweiten Tag unterbrach Marina die Schachtarbeiten, um uns zur Pressekonferenz und zum festlichen Empfang beim Bürgermeister abzuholen. Marcel traute sich, für die Werkstattschule die Ansprache zu halten! Bei der anschließenden Stadtbesichtigung fingen unsere Kids an, sich wohl zu fühlen. Auch wenn sie lange den Dönerladen nicht finden konnten, so erkundeten sie Internetcafés, Supermärkte, gaben ihr Geld auf dem Basar für „Markenware“ aus und freuten sich über günstige Preise.
Die Verhaltensregeln von uns und Marina Kargoscha für den Besuch eines Soldatenfriedhofs und eines anderen Kinderheimes am nächsten Tag waren unnötig. Über die gesamten 14 Tage gab es keine Probleme. Im Gegenteil, aus dem Montageauftrag wurde ein Freundschaftsbesuch. Die Heimleitung von Barvinok unterstütze das nach Kräften - wir glauben, dass für die Zeit unseres Aufenthaltes manch sonst gültige Regel außer Kraft gesetzt wurde, und alle gaben sich sehr viel Mühe, es uns schön zu machen. Unsere Schüler zogen mit den Kindern von Barvinok los, besuchten zusammen eine Zirkusvorstellung, spielten Fußball miteinander und gingen miteinander zum Schwimmen. Für Birgit und Gerd war es (fast) wie Urlaub, nur Marina hatte bis zu ihrer Abreise jede Menge Termine, und wann immer sie kam, war sie umstellt von Offiziellen und Fotografen.%4
Spätestens als unsere Gastgeber versuchten, uns ein anderes, komfortableres Quartier außerhalb des Kinderheimes zu besorgen und unsere Jugendlichen dagegen protestierten bis hin zur Streikandrohung, war klar, dass sie sich wohl fühlten.
Als der Spielplatz am vorletzten Tag komplett aufgebaut war, die örtlichen Honoratioren und der Pope zur Einweihung erschienen und alle Bavinok-Kinder eine Abschiedsfeier vorführten, kam Wehmut auf. Der Regen am Abreisetag passte zur Stimmung. Etliche unserer ach so harten Schüler hatten Abschiedstränen in den Augen und konnten sich kaum trennen. Mit ihren Gedanken waren sie auf der Rückfahrt bei den 100 Waisenkindern. Sie haben lange über weitere Hilfen nachgedacht, wobei die Ideen von einer Fortführung der Hilfe über das Spenden von Kleidung und Spielsachen bis zur möglichen Adoption reichten.
Nicht nur für unsere Schüler, sondern auch für Birgit und Gerd war es eine Erfahrung, die sie nie vergessen werden. Es ist schon ein Unterschied, ob man über schwierige Lebensverhältnisse von Kindern liest oder ob man zeitweise mit ihnen lebt, arbeitet und dabei hautnah ihre Probleme vor Augen hat.
Unser herzlicher Dank für diese Erfahrung richtet sich an Lisa und Marina Kargoscha und unsere Gastgeber in Barvinok.
Birgit Elias + Gerd Liersch
Werkstattschule Bremerhaven



Geändert von keunemann am 06.03.12



01.03.12 by keunemann

So fing alles an ... 1. Reisebericht von Lisa Kargoscha

So fing alles an

Reisebericht von Frau Lisa Kargoscha über einen Hilfstransport
in die Ukraine vom 21.02. – 28.02.1999


Gemeinsam mit den beiden Fahrern Roman und Victor sowie einem großen LKW mit%4 Anhänger fuhren wir am 21.02.1999 abends um 20:00 Uhr aus Bremerhaven in Richtung Ukraine. Da der LKW 2 Schlafkabinen hatte, konnte ich mich zwischendurch auch mal hinlegen und schlafen.

Die Fahrt ging über Berlin – Frankfurt/Oder erstmal an die deutsch-polnische Grenze. Dort wurde der LKW verplombt und nach 4 Stunden Wartezeit durften wir passieren. Die Fahrt durch Polen erinnerte mich sehr an die damaligen Zustände in der ehemaligen DDR. Als wir am polnisch-ukrainischen Grenzübergang ankamen stand vor uns eine lange Schlange LKWs, die auf ihre Abfertigung warteten, Obwohl wir als Hilfstransport gekennzeichnet waren, mussten wir dennoch 11 Stunden warten um 7 Stempel zu bekommen.

Auf dem Weg nach Kirowograd wurden wir dann auch noch alle 100 km von der Miliz angehalten und kontrolliert. Roman und Victor kannten diese Spielchen bereits und wussten daher auch was die Beamten eigentlich wollten: Rubel. Ich packte meine mitgebrachten Kugelschreiber aus. Die Beamten waren so heiß darauf, dass sie uns ohne einen Rubel zu bekommen weiter fahren ließen.

Am Abend des 23.02.99 kamen wir in der Stadt Kirowograd an. Untergebracht waren wir bei Anatol, einem Prediger der Stephanusgemeinde. Wir wurden dort sehr herzlich aufgenommen.

Am nächsten Tag mussten wir erstmal ein paar Stunden warten, bis unser LKW entplombt wurde. Abends fuhren wir dann mit Anatols Allradjeep zu einer Familie mit 6 Kindern, wovon eines behindert ist, in das 55 km entfernte Dorf Wjanki. Befestigte Straßen gab es dorthin nicht.

Am Haus angekommen öffnete uns eine Frau barfuß die Tür. Freundlich bat sie uns herein. Im Haus fiel mir sofort die verbrauchte Luft auf. Der Raum war klein, Betten auf denen Kinder saßen, ein Schrank und eine uralte Nähmaschine, mehr war nicht in diesem Raum. Nebenan die „sogenannte“ Küche. Hier fehlte es an jeglicher Zivilisation. Ich fühlte mich schlagartig mindestens um 1 Jahrhundert zurückgesetzt. Jegliche Hygiene war auf der Strecke geblieben. Die Kinder tragen zerschlissene Sachen und sie trugen sie schon eine ganze Weile. Im Schlaf- und Nebenraum waren die Wände völlig modrig und es roch sehr muffig. Dem behinderten Kind schenkte ich einen Koalabären. Ich werde niemals diese strahlenden Kinderaugen vergessen. Die ganze Zeit, in der wir dort waren, hielt sie dieses Kuscheltier fest an ihr Herz gedrückt. Wir packten die mitgebrachten Lebensmittel, Schokolade und Kleidung aus. Die Mutter konnte nicht glauben, dass es Menschen gibt, die ihr und ihrer Familie dieses alles schenkten. Der Mann war etwas behindert und arbeitete für 18 Pfennig am Tag auf einer Kolchose. Seit 3 Jahren hatte er keinen Lohn bekommen und trotzdem ging er jeden Tag wieder dorthin, vielleicht gibt es ja morgen etwas Geld.

Anatol erzählte mir, dass er den Kindern im Sommer etwas Geld gab damit sie mit dem Bus in die Stadt fahren konnten und sich ein Eis kaufen konnten, aber die Kinder überlegten sich lieber wie viele Küken sie davon kaufen könnten, wenn sie die 55 km zum Markt zu Fuß gehen. Im Stall, mühsam zusammengespart, standen 2 Kühe. Um das Vieh halten zu können, tat die Familie alles,

sogar hungern. Bei allem Elend, dass ich dort sah, waren am allerschlimmsten die Schuhe an ihren Füßen. Sie waren als das, was sie einmal waren, nicht mehr zu erkennen. An der Wand hing ein Stromkasten ohne jegliche Sicherung, auch die Kabel an den Wänden waren z.T. blank. Die Kinder meinten, einen Schlag zu bekommen täte nicht sehr weh. Die Frau zählte Samenkerne. Für eine Ernte benötigt sie etwa 22.000 Stück, doch sie hatte erst 15.000 Stück zusammen. Jede einzelne Frucht wurde extra gezählt.

Auf der Rückfahrt zu unserer Unterkunft ging mir ein Gedanke nicht mehr aus dem Kopf.
„Warum geht ein Staat mit seiner Bevölkerung so um?“

Am 25.02. fuhren wir zum Kinderheim nach Sonamjanka. Dort waren pflegebedürftige und behinderte Kinder untergebracht. Die Leiterin nahm uns sehr freundlich auf. Hier leben 91 Kinder im Alter von ein paar Monaten bis ca. 12 oder 13 Jahren.
Ich bin vor meiner Abreise Zuhause immer gefragt worden, ob ich weiß, worauf ich mich da einlasse. Jetzt weiß ich, ich wusste es nicht.
Es war kaum ertragbar, diese Kinder zu sehen, wie sie die mitgebrachte Schokolade, teilweise samt Papier, mit einer unbeschreiblichen Gier herunterschlangen. Viele der Kinder lagen in Betten, die ich nie als solche bezeichnen würde. Gestelle die notdürftig zusammengebaut waren, das Bettzeug grau verwaschen und kaputt. Windeln, die wir nicht einmal zum Putzen verwenden würden. Den Schmerz und das Elend der ganzen Welt in diesen Kinderaugen kann man nicht beschreiben. So etwas kann man nicht vergessen und es braucht eine lange Zeit dieses auch zu verkraften. Als wir die Kuscheltiere auspackten kam ein herzzerreißender Glanz in diese traurigen Kinderaugen. Soviel Freude, mit eigentlich so wenig Aufwand zu schenken, war jede auf mich genommene Strapaze wert.

Manche Kinder lagen apathisch und sehr hoch fiebrig in ihren Betten. Als ich bei der Leiterin nachfragte, zeigte diese mir ihren Medikamentenschrank, in dem sich lediglich ein paar dreckige Mullbinden befanden. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass einige Kinder dort zum Sterben abgeliefert wurden. Die mitgebrachten Lebensmittel waren nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber wenigstens ein Tropfen. Von der Leiterin ließ ich mir eine Liste mit den am dringendsten gebrauchten Medikamenten geben. Diese haben wir von dem noch vorhandenen gespendeten Geld dann in der Apotheke gekauft. Trotz völlig veralteter und fürchterlicher sanitärer Anlagen war es dort sehr sauber und ordentlich.

Anschließend besuchten wir im Dorf drei ältere Damen: 90, 85, 56 Jahre alt. Die Jüngere war behindert. Sie saß auf ihrem Bett, aus dem sie seit Jahrzenten nicht mehr herausgekommen ist. Die Älteren waren eigentlich, was ihren Zustand betraf, mit allem Elend dieser Welt zu vergleichen. Ich hatte Mühe meine Gefühle für mich zu behalten, denn das, was ich dort sah, ging über alles Verständnis hinaus. Das Haus wirkte wie eine schmutzige Höhle, die Wände waren schwarz vom Dreck und das Bett – nicht zu beschreiben. Auf dem Esstisch lag Unrat und vor dem Schrank, wenn man ihn so nennen kann, stapelte sich dreckige Wäsche, wie eigentlich in jeder Ecke dieser Räume. Der Fußboden war vor lauter Dreck nicht mehr zu erkennen. Ich musste zwischendurch kurz nach draußen gehen um einfach mal Luft zu holen, denn in diesem Raum konnte man vor Gestank nicht atmen.



Die von uns mitgebrachten Lebensmittel helfen wenigstens eine Zeitlang über den Hunger hinweg. Die Nachbarn sehen auch ab und zu nach den Frauen, aber auch dort geht es ums überleben und dabei bleibt Zuneigung und Sauberkeit sowie alles was eine menschenwürdige Versorgung auf der Strecke.

Eigentlich habe ich nach diesem Besuch geglaubt, dass es nicht noch schlimmer kommen kann, aber unser nächster Weg führte uns an weinen Ort, wo ich niemals geglaubt hätte, dass dort
Menschen leben könnten. Eine Mülldeponie – irgendwo in der Einöde. Von weitem konnte man schon Leute dort auf den Bergen klettern sehen. Je näher wir kamen, umso mehr Leute wurden es und diese Menschen suchten im Müll nach Essbarem. Sie hatten sich Müllhöhlen gebaut, in denen sie lebten. Mir viel vor allem auf, dass dort sehr viele Kinder waren. Dieser Anblick, von dem im Müll nach essbaren suchenden Menschen, hat mich sprachlos werden lassen.

Der Nachmittag führte uns in entlegene Dörfer. Wir besuchten 5 Familien mit vielen Kindern.
Der Weg dorthin war sehr beschwerlich und nur mit dem Allradjeep oder zu Fuß zu erreichen, wodurch die Menschen teilweise über Wochen und Monate von der Außenwelt abgeschnitten sind. Das Elend ist dort täglich zu Hause. Durchschnittlich hatte jede Familie 4 – 6 Kinder, denen es oft am nötigsten fehlt, wie z.B. Schuhe. Die mitgebrachten Lebensmittel wurden dankbar angenommen. Die mitgebrachte Kleidung wurde teilweise angezogen, ob sie nun passte oder nicht. In allen Häusern war die Luft schwer zu atmen. Es war sehr unsauber bis auf die Betten. Jedesmal wenn ich die Teddys verteilt habe, ging ein Strahlen über die Gesichter der Kinder. Jedes Kind nahm sich ein Stück von der mitgebrachten Schokolade, den Rest nahm die Mutter in Empfang, damit die Kinder jeden Tag ein Stück davon essen können.

Der letzte Besuch an diesem Tag führte uns zu einer Familie mit einer behinderten Tochter. Sie hieß Tatjana und war 35 Jahre alt. Der Wohnraum war sauber, ein alter Mann saß auf dem Ofen und die Mutter lief immer eilig hin und her. Tatjana war eine aufgeweckte, sehr intelligente Frau. Sie hatte einen normalgroßen Kopf. Der Körper war aber kleingeschrumpft, die Hände und Arme ganz dünn und immer in Bewegung. Nach allem bisher Erlebten, war es eine richtige Freude mit Tatjana zu reden. Sie war sehr gottesfürchtig und ihr Glaube sagte ihr, dass ihr eines Tages doch noch geholfen werden würde. Ich bat sie mir doch einmal zu schreiben und sie versprach dies auch zu tun. In diesem Raum konnte man Ruhe finden. Trotz großer Armut hatte ich das Gefühl, hier ist die Welt für sie in Ordnung. Tatjana möchte gerne Deutsch lernen. Ich versprach ihr Kassetten und Bücher zu besorgen.

Am Freitag den 26.02. wurde nach dem Frühstück der Wagen mit Lebensmittel, Kuscheltieren und Spielzeug vollgeladen. Die Fahrt ging in ein Waisenhaus. Am Eingang empfing uns ein Arzt und die Leiterin. Sie führten uns durchs Haus in ein Büro. Dort erzählte uns die Leiterin von den Kindern. 1/3 der der lebenden Kinder sind Vollwaisen, die anderen z.T. ausgesetzt von den Familien oder aus den Familien entfernt wegen unhaltbarer Zustände. Insgesamt werden dort 153 Kinder von ihnen betreut. Obwohl das Heim staatlich geführt wird, fehlt es dort an allem, ganz besonders an Lebensmitteln.

Nach unserem Gespräch wurden wir in einen anderen Raum geführt und dort erwartete uns eine große Überraschung. Alle Kinder waren im Saal. Sie klatschten und freuten sich über unseren Besuch. Alle hatten ihre beste Kleidung angezogen (Sommerkleider) und ihre Haare hübsch mit Schleifen frisiert. Sie trugen uns Lieder und kleine Stücke über eine Stunde mit viel Freude und Spaß vor und es war keine Sekunde langweilig. Ich habe es einfach nur genossen. Anschließend verteilten wir Kuscheltiere, Schokolade und an das Personal Kaffe und Tee. Es war einfach toll, die Freude und glänzenden Augen der Kinder mitzuerleben. All das ließ mich die Strapazen auf einmal vergessen. Ich hätte alle Kinder mitnehmen können. Es fiel mir unheimlich schwer von


dort wegzugehen und ich habe mir ganz fest vorgenommen den größten Herzenswunsch des Arztes und der Leiterin zu erfüllen, nämlich Kindern, die es dringend nötig haben, die Möglichkeit zu geben, einen 3 wöchigen Erholungsurlaub bei Gastfamilien zu machen, frische Luft zu atmen und sich mal so richtig satt essen können.

Anschließend fuhren wir zu einem 400 Betten Krankenhaus mit 16 Ärzten und 800 Schwestern. Der ärztliche Leiter, ein Chirurg, führte uns durch alle Abteilungen: Chirurgie, Augenstation, Gynäkologie, Urologie, Röntgenabteilung und Sterilisationsraum. Das einzige was in diesem Krankenhaus gut war, waren die Sachen, die wir mitgebracht hatten. Jegliche Hygiene war auf der Strecke geblieben. Das Krankenhaus war 24 Stunden geöffnet. Es hatte die einzige Unfallstation, war also zuständig für 280.000 Menschen in der Stadt Kirowograd.

Man kann sich nicht vorstellen, was hier los war. Es wird Jahrzehnte dauern, um solch einen Standard zu erreichen, wie wir ihn kennen. Der Röntgenapparat ist aus den 50ger Jahren und wird immer wieder notdürftig repariert. Am Desinfektionsschrank waren die Abdichtungen kaputt, der Gynäkologie Stuhl war verrostet, Gummihandschuhe wurden einfach ausgewaschen und wieder benutzt. Es gibt dort weder eine Intensivstation noch Beatmungsgeräte. Frisch Operierte werden sofort auf ihr Zimmer geschoben, wo jegliche Ausstattung fehlt. Der Fußboden im ganzen Haus ist reiner Beton. In den Zimmern, wo 3 Betten eigentlich schon zu viel sind, stehen 6 – 7 Betten. Wer sich einen Krankenhausaufenthalt leisten kann, muss sich seine Bettwäsche und die Medikamente selbst mitbringen. Alles muss von den Patienten selbst bezahlt werden. Ich hoffe, dass ich noch viele Sachspenden für dieses Krankenhaus auftreiben kann, denn hier fehlt es an allem- Mit dem Leiter haben wir eine Abmachung getroffen, dass für die uns gespendeten Sachen, die Ärmsten der Gemeinde, die, die gar nichts haben und die Kinder kostenlos behandelt werden.

Am späten Nachmittag fuhren wir wieder vollgepackt mit Lebensmitteln und Kleidung zu 6 Familien mit insgesamt 40 Kindern. Alle waren durchweg sehr, sehr arm. Die Männer hatten schon 19 Monate keinen Lohn mehr bekommen und was bei uns keiner mehr machen würde, sie gehen jeden Tag wieder hin, in der Hoffnung, dass sie doch noch etwas Geld bekommen würden. Falls mal ein paar Rubel gezahlt wurden, wird alles sofort wieder eingezogen für Strom, Pacht und Wasser, welches aus dem Brunnen vor dem Haus kommt. Manche Familien müssen bei Wind und Wetter für etwas Wasser, weite Strecken laufen, weil es immer nur alle 500 – 1000 m einen Brunnen gibt.

Die Häuser, wenn man sie so nennen kann und die Menschen sind entweder zu Fuß, mit den Trecker oder Jeep zu erreichen. Überall in den Räumen ist Wäsche, saubere hängt von der Decke herab und schmutzige liegt auf dem Boden. An den Wänden hängen alte Teppiche damit die Feuchtigkeit und Kälte nicht ganz durchkommt. Wo keine Teppiche hingen waren die Wände schwarz von Schimmelpilzen. Auch in der Küche ist es so dreckig, ich kann mir gar nicht vorstellen, dass hier Menschen leben. Die Kinder suchen auf den Müllhalden nach Essbarem und Sachen, die sie evtl. noch verkaufen können. Vor den Häusern stapelt sich der Müll, so wie in den Häusern. Da sich das Leben in nur 2 Räumen abspielt, sehen die Betten nicht anders aus. Mir drehte sich fast der Magen um bei dem Anblick. An Luft holen war kaum zu denken, geheizt wurde mit allem was im Entferntesten brennen konnte. Der Gestank war einfach unerträglich.

Ich habe mich in den ganzen Tagen immer wieder gefragt, wie die Menschen in solchen Löchern leben, eher überleben können. Keiner hat so etwas verdient und ich denke, dass es unsere Aufgabe ist, weiter zu sammeln, um dort wo die Not am größten ist, ein wenig zur Linderung beizutragen. Das hier Erlebte und vor allem die aufrichtige Dankbarkeit für die mitgebrachten




Sachen, überall wo wir waren, wird mir noch sehr lange in Erinnerung bleiben. Ich hoffe, ich kann noch sehr viele Menschen motivieren mit ihren Spenden dazu beizutragen.

Kurz vor unserer Abreise besuchten wir noch ein Altenheim, auch hier herrschten Menschen unwürdige Zustände. Neben den völlig versifften Matratzen, empfand ich hier am Schlimmsten die wegen Läusebefall kahl rasierten Köpfe der alten Leute.

Der Abschied fiel mir nicht leicht, denn ich hätte gerne noch mehr geholfen.

Die Rückfahrt verlief in etwa so wie die Hinfahrt nur das wir diesmal 12 Stunden Wartezeit an der ukrainischen-polnischen Grenze für 7 Stempel hatten. Die polnischen Grenzbeamten schikanierten uns wo sie nur konnten. Nach 60 Stunden Fahrt und nur noch die Hälfte unseres Gepäcks, der andere Teil ging unterwegs durch die offene Gepäckklappe verloren, kamen wir am Dienstagmorgen um 1:00 Uhr wieder in Bremerhaven an.

Gezeichnet
Lisa Kargoscha






Geändert von keunemann am 03.03.12


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